Marketing
10.02.2026

Warum die digitale Lieferkette über Agentur-Pitches mitentscheidet

Was Konzerne seit Jahren von ihren physischen Zulieferern verlangen, wird zunehmend auch von ihren digitalen Partnern erwartet: Kontrolle, Transparenz und Verantwortung entlang der gesamten Wertschöpfung. Für Agenturen wird die digitale Lieferkette damit zu einem entscheidenden Faktor im Pitch.

In der industriellen Welt ist die Lieferkette seit Jahren ein zentrales Thema. Große Konzerne prüfen ihre Zulieferer nicht mehr nur nach Preis und Qualität, sondern auch nach Arbeitsbedingungen, Umweltstandards und sozialer Verantwortung. Wer Teil der Wertschöpfungskette sein will, muss Erwartungen erfüllen – nicht nur am eigenen Standort, sondern entlang der gesamten Lieferkette.

Wenn sich die Logik der Lieferkette ins Digitale verschiebt

Was in der physischen Welt längst selbstverständlich ist, beginnt sich nun auch in der digitalen Welt durchzusetzen. Immer mehr europäische Unternehmen betrachten nicht mehr nur ihre eigenen Systeme, sondern auch die digitalen Strukturen ihrer Partner. Für Agenturen hat das spürbare Konsequenzen. Denn sie sind längst nicht mehr nur kreative Dienstleister, sondern ein fester Bestandteil der digitalen Lieferkette ihrer Kunden.

Datenschutz als stiller Entscheidungsfaktor im Pitch

Noch vor wenigen Jahren spielte diese Perspektive im Agentur-Pitch kaum eine Rolle. Heute ist sie ein stiller, oft unausgesprochener Entscheidungsfaktor. Datenschutz ist nicht länger ein isoliertes Compliance-Thema, sondern Teil einer umfassenderen Frage: Wer hat entlang unserer digitalen Wertschöpfung Zugriff auf Daten – und unter welchen rechtlichen Bedingungen?

Wenn Infrastrukturfragen die Zusammenarbeit bestimmen

Spätestens wenn Vertreter aus IT, Recht oder Datenschutz am Pitch beteiligt sind, rückt diese Frage in den Vordergrund. Welche Tools werden eingesetzt? Wo werden Daten gespeichert? Wer betreibt die Infrastruktur? In diesem Moment wird die digitale Lieferkette sichtbar. Und genau hier geraten viele Agenturen unter Rechtfertigungsdruck.

US-Software als strukturelles Risiko in der digitalen Lieferkette

US-amerikanische SaaS-Tools stehen dabei sinnbildlich für ein strukturelles Problem. Nicht, weil sie per se unsicher oder unbrauchbar wären, sondern weil sie Teil einer digitalen Lieferkette sind, die außerhalb der europäischen Rechtsordnung liegt. Für den Kunden bedeutet das zusätzliche Unsicherheit – unabhängig davon, wie gut Verträge oder technische Schutzmaßnahmen ausgestaltet sind.

Verantwortung endet nicht an der Systemgrenze

Seit dem Schrems-II-Urteil ist klar, dass europäische Unternehmen die Risiken internationaler Datenverarbeitung nicht einfach auslagern können. Die Verantwortung bleibt entlang der gesamten digitalen Lieferkette bestehen. Genau wie bei physischen Zulieferern genügt es nicht, auf Zusicherungen zu verweisen. Es geht um tatsächliche Kontrollmöglichkeiten, um Rechtsdurchsetzung und um institutionelle Sicherheit.

Warum Pitches an der digitalen Lieferkette scheitern

In der Praxis führt das zu einer spürbaren Verschiebung in Pitch-Situationen. Diskussionen verlagern sich weg von Strategie und Kreativität hin zu Fragen der Infrastruktur. Entscheidungen werden vertagt, interne Prüfungen ausgelöst, zusätzliche Freigaben erforderlich. Nicht selten scheitert eine Zusammenarbeit nicht an der fachlichen Leistung, sondern an der wahrgenommenen Fragilität der digitalen Lieferkette.

Verlässlichkeit schlägt Geschwindigkeit

Viele Agenturen unterschätzen diesen Effekt. Sie argumentieren, ihre Kunden wollten vor allem schnelle Ergebnisse und effiziente Prozesse. Doch große, langfristige Mandate werden nicht primär nach Geschwindigkeit vergeben, sondern nach Verlässlichkeit. Verlässlichkeit entsteht dort, wo Risiken minimiert und Abhängigkeiten transparent sind – genau wie in der klassischen Lieferkettensteuerung.

Europas Software gewinnt strategische Bedeutung

Vor diesem Hintergrund gewinnen europäische Softwarelösungen an strategischer Bedeutung. Agenturen, die ihre digitale Lieferkette bewusst in Europa verankern, reduzieren nicht nur rechtliche Risiken, sondern auch organisatorische Reibung. Wenn Daten innerhalb der EU verarbeitet werden und klaren rechtlichen Rahmenbedingungen unterliegen, wird Datenschutz zur impliziten Eigenschaft der Zusammenarbeit – nicht zum Verhandlungspunkt.

Agenturen als Teil der Governance ihrer Kunden

Diese Agenturen präsentieren sich nicht nur als kreative Partner, sondern als verantwortungsvolle Glieder in der digitalen Wertschöpfung ihrer Kunden. Sie zeigen, dass sie die Logik moderner Governance verstanden haben: Verantwortung endet nicht an der eigenen Organisation, sondern umfasst alle eingesetzten Systeme und Dienstleister.

Die digitale Lieferkette als neue Realität im Agenturgeschäft

Die Parallele zur physischen Lieferkette ist dabei mehr als ein Bild. Sie beschreibt einen strukturellen Wandel. So wie Unternehmen heute nicht mehr akzeptieren, dass soziale oder ökologische Risiken an Zulieferer ausgelagert werden, akzeptieren sie zunehmend auch keine digitalen Risiken mehr entlang ihrer Wertschöpfung.

Wer die digitale Lieferkette kontrolliert, gewinnt Vertrauen

US-basierte Tools werden weiterhin Teil vieler Arbeitsprozesse bleiben. Doch im europäischen Agenturgeschäft verlieren sie ihren Status als neutrale Infrastruktur. Sie werden zu einem Faktor innerhalb der digitalen Lieferkette – und damit zu einer strategischen Entscheidung. Nicht die rechtliche Zulässigkeit steht im Vordergrund, sondern die Frage nach Kontrolle, Vertrauen und langfristiger Stabilität.

Agenturen, die 2026 und darüber hinaus erfolgreich pitchen wollen, sollten ihre Rolle neu verstehen. Nicht nur als Anbieter von Leistungen, sondern als verantwortlicher Teil der digitalen Lieferkette ihrer Kunden. In vielen Auswahlprozessen entscheidet genau dieses Verständnis – leise, aber wirkungsvoll.