Produktivität
19.02.2026

Warum Agenturen Produktivität neu denken müssen

Warum Agenturen Produktivität neu denken müssen

Agenturen stehen vor neuen Herausforderungen: Marketingbudgets schrumpfen, das Stundenmodell verliert an Bedeutung, und Effizienz wird wichtiger denn je. Damit sie auch zukünftig erfolgreich sind, brauchen sie klare Strukturen und ein modernes Operating Model.

Die Konjunktur schwächelt. Marketingbudgets werden kritischer geprüft, Projekte verschoben, Retainer neu verhandelt. Viele Agenturen spüren das – nicht immer laut, aber spürbar im Alltag. Pitches dauern länger. Entscheidungen werden zäher. Kunden fragen genauer nach dem Gegenwert jeder Rechnung.

Was in Boomzeiten nicht auffiel, wird jetzt sichtbar.

In den vergangenen Jahren sind viele Agenturen schnell gewachsen. Neue Kunden, neue Mitarbeitende, neue Tools. Wachstum war wichtiger als Struktur. Prozesse entstanden organisch, nicht systematisch. Solange Umsatz und Auslastung stimmten, funktionierte das Modell.

Heute zeigt sich: Viele Agenturen sind operativ fragiler, als sie dachten.

Wachstum ohne Fundament

In wirtschaftlich starken Phasen kann man Ineffizienzen überdecken. Wenn Projekte in hoher Frequenz kommen, fällt es weniger ins Gewicht, dass Workflows uneinheitlich sind, Briefings unterschiedlich dokumentiert werden oder Wissen in einzelnen Köpfen steckt.

Doch in einer Phase, in der Margen unter Druck geraten, werden genau diese Schwächen zum Problem.

Fehlende Standards führen zu unnötigen Abstimmungen. Unklare Verantwortlichkeiten erzeugen Reibungsverluste. Tool-Chaos erschwert Transparenz. Content liegt verteilt in Projektmanagement-Tools, Cloud-Ordnern, Chatverläufen oder externen Plattformen.

Das Ergebnis ist nicht nur operative Unruhe, sondern echte wirtschaftliche Ineffizienz.

Wenn das Stundenmodell bröckelt

Gleichzeitig verändert künstliche Intelligenz die Produktionsrealität grundlegend. Texte, Visuals, Varianten, Kampagnen-Assets – vieles lässt sich schneller erstellen als noch vor zwei Jahren.

Das klingt zunächst nach einem Vorteil für Agenturen. Doch es hat eine strukturelle Nebenwirkung: Das klassische Stundenmodell gerät ins Wanken.

Wenn ein Asset dank KI nur noch halb so lange dauert, wird es schwer, die gleiche Anzahl Stunden zu verrechnen. Kunden wissen das. Und sie fragen nach.

Die Folge ist ein Trend zur Leistungs- oder Output-basierten Vergütung. Bezahlt wird nicht mehr primär Zeit, sondern Ergebnis.

Für Agenturen bedeutet das eine radikale Verschiebung der Logik. Profit entsteht nicht mehr durch möglichst viele verrechenbare Stunden, sondern durch skalierbare Leistung, die unabhängig von individueller Arbeitszeit funktioniert.

Mehr Output braucht mehr Struktur – nicht mehr Hektik

Viele Agenturen reagieren reflexartig mit einer Erhöhung des Outputs. Mehr Content, mehr Kampagnen, mehr Varianten. Doch ohne saubere Prozesse führt das lediglich zu mehr Komplexität.

Output lässt sich nur dann wirtschaftlich steigern, wenn Prozesse klar definiert sind. Wenn Qualitätsstandards festgelegt sind. Wenn Rollen eindeutig geregelt sind. Wenn Inhalte zentral dokumentiert und wiederverwendbar sind.

Produktivität bedeutet nicht, schneller zu arbeiten. Produktivität bedeutet, systematischer zu arbeiten.

Das erfordert ein Umdenken. Weg vom projektgetriebenen Denken, hin zu strukturierten Content Operations.

Produktivität ist ein Operating Model

Agenturen müssen sich fragen: Wie wird Content bei uns wirklich produziert? Wo liegen Informationen? Wie wird Qualität sichergestellt? Wie werden Freigaben dokumentiert? Wie wird Wissen gesichert?

Solange Content lediglich als Teil einzelner Projekte behandelt wird, bleibt er operativ fragmentiert. Doch in einer Welt, in der Output skalierbar und wiederholbar sein muss, braucht es ein systemgeführtes Modell.

Produktivität wird damit zur strategischen Frage. Sie entscheidet über Margen, Skalierbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit.

Gerade europäische Agenturen stehen zusätzlich unter regulatorischem Druck. Themen wie Datenhaltung, Compliance und Transparenz entlang der digitalen Lieferkette gewinnen an Bedeutung. Wer produktiv sein will, muss auch strukturiert und kontrollierbar arbeiten.

Der Moment für ein neues Fundament

Die aktuelle wirtschaftliche Phase ist kein vorübergehender Sturm. Sie ist ein Stresstest für das operative Fundament vieler Agenturen.

Wer jetzt nur Kosten senkt, reagiert kurzfristig. Wer jetzt Prozesse neu denkt, investiert langfristig.

Produktivität ist kein Tool-Feature. Sie ist ein Organisationsprinzip.

Als Founder von ContentPaul beschäftige ich mich intensiv mit dieser Frage: Wie können Agenturen Content und Kampagnen nicht nur schneller, sondern strukturiert, transparent und skalierbar produzieren? Die Antwort liegt nicht in noch mehr Tools – sondern in einem klaren Operating Model für Content.

Agenturen, die diesen Schritt gehen, werden nicht nur die aktuelle Phase überstehen. Sie werden stärker daraus hervorgehen.

Die anderen werden weiter arbeiten wie bisher – einfach mit kritischer Marge.